Ich lerne seit mehreren Jahren Japanisch, hauptsächlich mit Apps und Kursen, und je tiefer ich einsteige, desto mehr beschäftigt mich eine Grundfrage, die eigentlich nie direkt beantwortet wird: Worauf soll man den Schwerpunkt legen, wenn man eine Sprache wirklich durchdringen will – nicht nur kommunikativ überleben, sondern kulturell verstehen?
Die meisten Kurse und Apps fangen mit Vokabeln an, was oberflächlich Sinn ergibt. Man will ja schnell etwas sagen können. Aber Japanisch hat zum Beispiel diese enorm komplexe Honorifiksprache (Keigo), bei der der falsche Ausdruck in einer geschäftlichen Situation wirklich peinlich bis beleidigend wirken kann. Das ist kein Grammatikproblem und kein Vokabelproblem isoliert – es ist beides zusammen, durchtränkt von sozialem Kontext.
Ich frage mich deshalb: Macht es überhaupt Sinn, Grammatik und Vokabeln sequenziell zu lernen, oder ist diese Trennung selbst schon das Problem? Und wie lernt man eigentlich den kulturellen Unterbau einer Sprache, der eben nicht in Vokabellisten steht?
Sommerhalbjahr ist bei mir traditionell meine intensive Lernphase – weniger Ablenkung, mehr Zeit zum Nachdenken. Diesmal möchte ich meinen Ansatz grundlegend überdenken statt einfach weiterzumachen wie bisher. Interessiert mich, wie andere das sehen, vor allem wenn jemand ähnlich komplexe Sprachen wie Japanisch, Arabisch oder Chinesisch lernt.
Interessante Frage, auch wenn mein Hintergrund eher Englisch und Französisch ist – also westliche Sprachen mit deutlich weniger sozialem Schichtsystem in der Grammatik.
Was ich aber aus meiner Arbeit mit Business-Englisch mitnehme: Der kulturelle Kontext sitzt fast nie in der Grammatik allein. Im schriftlichen Bereich zum Beispiel – E-Mails, Reports – merke ich dass British English und American English unterschiedliche Erwartungen an Direktheit haben. Das steht in keiner App. Das habe ich eigentlich nur durch echte Projektkommunikation gelernt, manchmal auch durch Feedback wenn etwas nicht optimal ankam.
Ich glaube dein Punkt zur Trennung Grammatik/Vokabeln trifft was Reales. Diese sequenzielle Logik ist wahrscheinlich ein Überbleibsel von Schulpädagogik, die halt messbar sein muss. Für tatsächliches kulturelles Verstehen bräuchte man eigentlich mehr Immersion in echten Situationen – Texte, Gespräche, Medien – von Anfang an.
Bei Japanisch und Keigo ist das Problem nochmal exponentiell größer als bei allem was ich kenne. Da würde ich ehrlich gesagt auf native Speaker setzen die einem direktes Feedback geben, nicht auf Apps.
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Oh nice, dass du die Frage stellst! Ich lerne gerade auch mehrere von Grund auf (Französisch, Niederländisch, Türkisch), und ich mache da eher eine bunte Mischung. Apps allein sind für mich tatsächlich zu wenig – mir fehlt einfach das Gefühl für echte Sätze und wie die zusammenhängen.
Was bei mir funktioniert: Ich kombiniere Apps mit kleinen Grammatik-Videos und versuche viel zu lesen, auch wenn ich nicht alles verstehe. So kriege ich ein besseres Gefühl dafür, wie die Sprache wirklich funktioniert, nicht nur einzelne Wörter.
Das Coole ist aber auch: Apps halten mich tatsächlich dran, weil sie so spielerisch sind und Fortschritt sichtbar machen. Das ist psychologisch wertvoll!
Mir würde aber interessieren: Denkst du, dass eine einzelne App für dich besser wirkt, oder brauchst du einfach mehr Variationen insgesamt?
Hi Rainer,
da kann ich dir aus meiner Erfahrung einen strukturierten Input geben. Ich nutze Apps nicht als Hauptmethode, sondern gezielt als Ergänzung zu meinen Online-Kursen für Spanisch und Französisch – Letzteres brauch ich beruflich für internationale Projekte.
Meine Beobachtung: Apps sind grandios für Wortschatz und kleine Wiederholungseinheiten, wenn man wenig Zeit hat. Aber du hast völlig recht – echte Struktur und Grammatikverständnis kriegst du damit nicht hin. Das ist der Knackpunkt.
Bei mir läuft es so: Am Morgen 15 Min. App für Vokabeln, aber die Hauptarbeit mache ich in einem strukturierten Online-Kurs mit echten Lektionen und Übungen. Das gibt mir das Framework, in das ich dann die Vokabeln einordne.
Für dich: Apps sind okay als Turbo-Ergänzung, aber nicht als Fundament. Wenn du wirklich Deutsch-Grundlagen festigen willst, brauchst du Lektionen, die dir erklären, wie die Sprache funktioniert. Dann macht die App wieder Sinn.
Welche App nutzt du denn aktuell?