Ich lerne seit mehreren Jahren Japanisch, hauptsächlich mit Apps und Kursen, und je tiefer ich einsteige, desto mehr beschäftigt mich eine Grundfrage, die eigentlich nie direkt beantwortet wird: Worauf soll man den Schwerpunkt legen, wenn man eine Sprache wirklich durchdringen will – nicht nur kommunikativ überleben, sondern kulturell verstehen?
Die meisten Kurse und Apps fangen mit Vokabeln an, was oberflächlich Sinn ergibt. Man will ja schnell etwas sagen können. Aber Japanisch hat zum Beispiel diese enorm komplexe Honorifiksprache (Keigo), bei der der falsche Ausdruck in einer geschäftlichen Situation wirklich peinlich bis beleidigend wirken kann. Das ist kein Grammatikproblem und kein Vokabelproblem isoliert – es ist beides zusammen, durchtränkt von sozialem Kontext.
Ich frage mich deshalb: Macht es überhaupt Sinn, Grammatik und Vokabeln sequenziell zu lernen, oder ist diese Trennung selbst schon das Problem? Und wie lernt man eigentlich den kulturellen Unterbau einer Sprache, der eben nicht in Vokabellisten steht?
Sommerhalbjahr ist bei mir traditionell meine intensive Lernphase – weniger Ablenkung, mehr Zeit zum Nachdenken. Diesmal möchte ich meinen Ansatz grundlegend überdenken statt einfach weiterzumachen wie bisher. Interessiert mich, wie andere das sehen, vor allem wenn jemand ähnlich komplexe Sprachen wie Japanisch, Arabisch oder Chinesisch lernt.