Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit ein paar Wochen mit Norwegisch und nutze die Sommerzeit, um endlich systematischer ranzugehen – Urlaub im August nach Norwegen geplant, also hab ich einen konkreten Anlass. Die einfachen Hauptsätze klappen soweit ganz gut, aber sobald ich Nebensätze einbauen will, verliere ich den Überblick.
Bei deutschen Nebensätzen rutscht das Verb ans Ende, das kenne ich ja. Aber bei Norwegisch scheint das anders zu funktionieren, und ich verstehe das Muster noch nicht wirklich. Zum Beispiel lese ich in meinen Übungstexten manchmal Sätze wie 'Han sa at han ikke ville komme' – da steht 'ikke' vor dem Verb, was mich total verwirrt. Im Hauptsatz wäre das doch umgekehrt?
Und dann gibt es diese Inversion im Hauptsatz, wenn nicht das Subjekt am Anfang steht. Das hab ich theoretisch verstanden, aber ich mache beim Schreiben trotzdem ständig Fehler. Ich glaube ich verwechsle einfach wann ich die Wortstellung umkehren muss und wann nicht.
Gibt es eine einfache Regel, an der ich mich festhalten kann? Oder muss man das wirklich durch viel Lesen und Üben verinnerlichen? Ich finde im Netz zwar Erklärungen, aber die sind oft entweder zu simpel oder zu akademisch.
Freue mich auf eure Erfahrungen!
S. Weber
Ich finde diese Frage sehr schön gestellt, weil du direkt ein konkretes Beispiel mitgebracht hast – das hilft enorm beim Erklären und beim Antworten.
Was ich nach meiner Erfahrung sagen kann: Solche Regeln brauchen immer eine Weile bis sie wirklich sitzen, nicht weil man sie nicht versteht, sondern weil das Gehirn beim Sprechen und Schreiben einfach Zeit braucht um das Gelernte automatisch abzurufen. Ich empfehle dir, dir einen kleinen Spickzettel zu schreiben mit je drei Beispielen: Hauptsatz mit Inversion, Hauptsatz ohne, Nebensatz. Den kannst du beim Üben immer kurz anschauen.
Und für den Urlaub im August – wunderbar! Norwegen im Sommer ist überwältigend schön. Ich war selbst mehrfach dort und kann sagen: Die Norweger freuen sich immer wenn jemand auch nur versucht ein paar Sätze auf Norsk zu sagen. Das motiviert dann auch nochmal ganz von selbst.
Hey S. Weber, das ist tatsächlich einer der Punkte, an dem viele Deutschsprachige stolpern, obwohl Norwegisch sonst so ähnlich wirkt.
Die Kurzversion: Im norwegischen Nebensatz bleibt die Grundreihenfolge Subjekt-Verb erhalten (also kein Verb ans Ende wie im Deutschen), aber Adverbien wie 'ikke', 'alltid' oder 'aldri' rutschen VOR das Verb. Im Hauptsatz ist es genau umgekehrt – 'ikke' kommt nach dem Verb. Das ist tatsächlich eine der wenigen Stellen, wo man Norwegian von German klar unterscheiden muss.
Die Inversion (also Verb vor Subjekt wenn was anderes am Satzanfang steht) gilt nur im Hauptsatz, nie im Nebensatz. Wenn du dir das als Faustformel merkst, sollte das schon mal viele Fehler reduzieren.
Ich hab das damals mit kurzen Beispielpaaren geübt: je einen Haupt- und Nebensatz nebeneinander geschrieben und verglichen wo 'ikke' jeweils landet. Hat mehr gebracht als lange Erklärungen lesen. Viel Erfolg für den Norwegen-Urlaub im August!
Ach ja, falls du noch nach einem guten Einstieg suchst – ich hab da gute Erfahrungen gemacht mit einem Online-Kurs, der die Grammatik wirklich Schritt für Schritt erklärt, auch solche Nebensatz-Sachen. Hat mir damals echt geholfen, das alles besser zu verstehen. zur Demoversion
Das V2-Prinzip (Verb an zweiter Position im Hauptsatz) kennt man ja aus dem Deutschen. Im Nebensatz fällt das weg – das ist der Kern. Ich lern lieber erstmal Grammatikregeln bevor ich übe, hatte dazu mal was geschrieben, falls interessant.
Für Norwegisch konkret: Merk dir einfach den Unterschied zwischen 'Han kommer ikke' (Hauptsatz, ikke nach Verb) und 'fordi han ikke kommer' (Nebensatz, ikke vor Verb). Wenn du dieses eine Paar wirklich intus hast, überträgst du das auf alle anderen Adverbien.
Falls du nebenbei noch etwas Struktur ins Norwegische bringen willst, hab ich da gute Erfahrungen gemacht mit einer Seite, die Grammatikthemen wie genau dieses hier ziemlich verständlich erklärt – als Ergänzung zu Babbel auf jeden Fall sinnvoller als nur Vokabelpauken. Tipp: Starte mit kostenlosem Newsletter*
Ich seh das ein bissl anders als Lara. Klar, für den Urlaub reicht holpriges Sprechen, aber wenn du merkst dass dich die Grammatik beschäftigt, dann ist das kein Zeichen dass du zu viel willst – das ist einfach wie du lernst. Ich hab bei Italienisch auch immer versucht Grammatiklücken auszusitzen und hab gemerkt dass es mich mehr blockiert hat als geholfen. Lieber kurz verstehen warum etwas so ist, dann sitzt es.
Zur konkreten Frage: Die Nebensatz-Adverbstellung ist tatsächlich eine der wenigen Regeln die sich wie eine echte Regel anfühlt und die man einmal lernen und dann verlässlich anwenden kann. Im Gegensatz zu vielem anderen beim Sprachelernen.
Schreib dir mal fünf Beispielsätze selber, übersetze sie ins Norwegische, und überprüf wo 'ikke' jeweils landet. Dann siehst du das Muster sofort.