ich lern eigentlich hauptsächlich englisch aber die dialektfrage interessiert mich generell. hab das beim englischen auch gemerkt – erst british standard gelernt und dann war american english fast wie ne andere sprache anfangs lol
beim norwegischen ist das glaube ich noch extremer weil da gibt es keine zentrale 'richtige' aussprache. aber osloer standard als ankerpunkt macht trotzdem sinn, hat hier jemand schon gut erklärt.
Kurzfassung von mir: Osloer Standard lernen, alles andere ist fürs erste irrelevant. Die Dialektfrage stellt sich erst wenn du wirklich schon was drauf hast. Ich hab selbst erlebt wie man sich am Anfang in Details verliert die noch keine Rolle spielen – das kostet mehr Motivation als es bringt.
Ich lern seit einem halben Jahr Norwegisch autodidaktisch (hauptsächlich mit Tech-Podcasts und YouTube) und kann das bestätigen was Marco91 schreibt. Oslomål ist der de-facto-Standard für Lernmaterial und auch NRK verwendet es überwiegend.
Aber ich würd einen Punkt ergänzen: Die Dialektunterschiede in Norwegen sind tatsächlich erheblich – das ist kein Mythos. Norwegen hat nie eine staatlich durchgesetzte Einheitsaussprache gehabt wie z.B. Deutschland mit dem Bühnendeutsch. Das heißt selbst Nachrichtensprecher können regional gefärbte Aussprache haben.
Für deinen geplanten Westnorwegen-Urlaub: Bergensisch hat ein paar markante Eigenschaften (z.B. der harte 'kj'-Laut, Tonalität etwas anders). Aber wenn du Grundwortschatz drauf hast und langsam gesprochen wirst, kommt man sich entgegen. Norweger sind da pragmatisch.
Konkret: Bokmål/Oslostandard lernen, 6-8 Monate Input, dann vielleicht gezielt mal Bergen-Podcasts reinhören. Nicht umgekehrt.
Ich komme aus der technischen Ecke und lern Sprachen eher systematisch (hab mich hier auch mal zu Polnisch-Ressourcen für Beruf geäußert). Bei Dialektfragen würde ich immer zuerst fragen: Was ist dein konkretes Ziel?
Wenn Urlaub in Westnorwegen, dann ja: Bergensisch oder generell Westnorwegisch wäre langfristig nützlich. Aber als Lernstrategie für Anfänger ist das trotzdem falsch priorisiert. Du baust zunächst eine stabile Grundlage mit Standardsprache auf – das ist effizient, weil dafür gibt es Ressourcen.
Ein Punkt der oft unterschätzt wird: Norweger wechseln bei Ausländern sehr oft in den Standard oder sprechen deutlicher. Die sind das gewohnt, weil sie untereinander auch Dialekte mischen. Der Urlaub wird schon klappen auch wenn du nur Basis-Bokmål kannst.