Ich bin zwar kein Niederländisch-Spezialist, aber das Prinzip kennt man ja aus anderen Sprachen. Hochdeutsch lernt man auch zuerst, bevor man sich mit Dialekten beschäftigt. Ich hab das beim Thema Lernmaterialien in dem Thread über YouTube-Anleitungen ähnlich diskutiert – die Grundlagen sind immer dieselben, egal welche Variante man später sprechen will. Also erstmal solide Basis, dann die regionale Färbung. Das gilt hier genauso.
Kurz und knapp: Lern Niederländisch, fertig. Flämisch ist keine eigene Sprache sondern eine regionale Variante mit anderer Aussprache. Du wirst in Belgien damit nicht auf Unverständnis stoßen.
Wie S.Weber oben schreibt – im Kern stimmt das. Ich würd aber noch ergänzen dass der Unterschied in der Praxis größer ist als viele denken, vor allem beim Hörverstehen. Flämisch klingt für jemanden der nur Standard-Niederländisch gelernt hat manchmal fast wie ein anderer Dialekt. Die g-Laute sind weicher, das Tempo anders, manche Vokabeln komplett verschieden. Ich hab selber bei anderen Sprachen erlebt wie sehr Varianten einen verwirren können wenn man nicht vorbereitet ist. Mein Rat: Grammatik und Schriftsprache = Standard-Niederländisch, Hörübungen von Anfang an = Mix aus beidem. Dann bist du auf der sicheren Seite für Belgien und für alles andere.
Ich hab letztes Jahr in Belgien ne Sprachreise gemacht (Französischsprachiger Teil, aber trotzdem) und hab dabei auch flämische Ecken besucht. Mein Eindruck: Die Leute in Gent und Brügge sind sehr daran gewöhnt, dass Touristen kein perfektes Flämisch sprechen. Die wechseln meistens sowieso auf Englisch oder Deutsch sobald sie merken dass man Anfänger ist – das kann manchmal frustrierend sein wenn man üben will! Standard-Niederländisch reicht als Einstieg locker, und dann einfach schauen dass man so früh wie möglich echte flämische Muttersprachler zum Üben findet. Online gibts da inzwischen gute Möglichkeiten, auch außerhalb der Urlaubszeit.