Hallo zusammen,
ich lerne jetzt seit etwa drei Monaten Dänisch, hauptsächlich weil wir diesen Sommer nach Kopenhagen und danach noch an die Westküste fahren. Eigentlich war das als kleines Ferienprojekt gedacht – die Kinder sind aus dem Haus, endlich Zeit für sowas.
Meine Frage ist eigentlich grundsätzlicher Natur: Wie wichtig ist es wirklich, die Aussprache von Anfang an richtig hinzubekommen? Ich meine, Dänisch klingt ja schon für andere Skandinavier oft merkwürdig, und ich lese immer wieder, dass selbst Dänen sich manchmal gegenseitig nicht verstehen.
Ich übe fleißig mit einer App und habe mir ein paar YouTube-Videos rausgesucht, aber wenn ich mich selbst aufnehme, klingt das... naja. Nicht gerade überzeugend. Mein Freund, der mal zwei Jahre in Aarhus gelebt hat, meinte, die Dänen seien eigentlich sehr geduldig mit Ausländern und würden schnell auf Englisch wechseln – was mich aber nicht wirklich beruhigt, weil ich ja gerade NICHT immer auf Englisch ausweichen will.
Ist es sinnvoll, jetzt im Sommer viel Zeit in die Aussprache zu stecken, oder sollte ich lieber erst Vokabular und Grundgrammatik aufbauen und die Aussprache "nebenbei" mitnehmen? Was sind eure Erfahrungen?
Danke schon mal!
H. Brenner
Hallo H. Brenner,
das ist eine Frage, die ich mir beim Italienischlernen auch gestellt habe (da hab ich dazu sogar mal einen Thread gestartet, weil mich das echt beschäftigt hat).
Meine persönliche Erfahrung: Aussprache komplett auf später verschieben ist keine gute Idee, weil sich Gewohnheiten einschleifen, die man später nur schwer wieder loswird. Aber "perfekt" muss es auch nicht sein, gerade nicht am Anfang.
Für einen Urlaubsaufenthalt würde ich sagen: Konzentriere dich auf die Laute, die wirklich bedeutungsunterscheidend sind. Im Dänischen ist das zum Beispiel der Unterschied zwischen bestimmten Vokalen oder das weiche D. Den Rest gleicht Kontext meist aus. Die Dänen sind, soweit ich das mitbekommen habe, tatsächlich sehr nachsichtig – aber du hast recht, dass sie gerne schnell auf Englisch umsteigen. Am besten einfach freundlich auf Dänisch weitermachen, dann respektieren die das meist.
Kurz gesagt: Ein bisschen Aussprache parallel zum Vokabellernen, nicht alles auf einmal. Das reicht für Kopenhagen im Sommer völlig.
Ich seh das etwas anders als L.Weber oben, ehrlich gesagt.
Ich hab damals beim Sprachlernen den Fehler gemacht, zu lange auf "irgendwann wird's schon passen" zu setzen. Hatte das auch beim Thema Grammatik vs. direkt loslegen diskutiert (war mal in nem anderen Thread dazu aktiv): Grammatik büffeln oder sofort loslegen.
Aber bei der Aussprache bin ich wirklich der Meinung: Lieber von Anfang an Grundlagen richtig, auch wenn es mühsam ist. Nicht wegen Perfektion, sondern weil du dir sonst selber im Weg stehst. Wenn dich die Dänen nach zwei Sätzen auf Englisch umleiten, ist das manchmal gar kein Zeichen von Ungeduld – die verstehen dich schlicht nicht.
Dänisch hat einige Laute, die wirklich geübt sein wollen, da hilft kein Drüberhinwegsehen. Nimm dir jeden Tag 10-15 Minuten nur für Aussprache, separat vom Vokabellernen. Das ist aus meiner Sicht kein Luxus, sondern Pflichtprogramm.
Hm, ich find die Frage schwer pauschal zu beantworten – kommt doch sehr drauf an, was man mit der Sprache wirklich vorhat. Ich hab mir das ähnlich überlegt, als ich regelmäßiges Üben für mich strukturiert habe (da hilft Kontinuität mehr als Perfektion, wie ich im Thread über regelmäßiges Dranbleiben schon mal geschrieben habe).
Für einen Sommerurlaub würde ich sagen: Die Aussprache nicht vernachlässigen, aber auch nicht zum Hauptprojekt machen. Was wirklich hilft ist, Wörter von Anfang an nur in der richtigen Aussprache zu lernen – also nicht erst falsch einprägen und dann korrigieren. Das ist der größte Fehler, den ich beim Lernen gesehen habe.
Dänische Muttersprachler schätzen es enorm, wenn man es überhaupt versucht. Und selbst mit Akzent kommt man weiter, als man denkt – wichtig ist Mut zum Sprechen, nicht fehlerfreier Klang.
Also ich kenn das Phänomen vom Englischlernen – da hab ich mich auch lang gefragt warum ich irgendwie nie richtig klong, hab dazu sogar mal gepostet: Warum klingen meine englischen Sätze immer so deutsch.
Bei Dänisch würd ich sagen: "Gut genug zum Verstanden-werden" ist völlig realistisches Ziel, gerade wenn du nur für nen Urlaub lernst. Perfektion ist da echt kein sinnvoller Maßstab. Ich glaub die meisten Leute überfordern sich einfach, weil sie denken, es muss sofort nativ klingen.
Mach dir keinen Stress – für Kopenhagen im Sommer reicht es locker, wenn du die wichtigsten Phrasen halbwegs verständlich rausbringst. Der Rest kommt mit der Zeit, oder eben nicht, und dann ist Englisch halt Plan B. Nix schlimmes.