Hallo zusammen,
ich überlege seit einer Weile, ob ich diesen Sommer mal ernsthaft mit Französisch anfangen soll. Eigentlich hatte ich das schon länger vor, aber jetzt wo die Hitze draußen unerträglich ist und ich eh mehr drinnen bleibe, dachte ich: warum nicht?
Mein konkretes Problem: Ich bin grundsätzlich skeptisch, ob man eine Sprache wirklich ohne Lehrer lernen kann. Ich mein, klar, Apps und YouTube-Videos gibt es genug. Aber reicht das? Ich hatte mal Spanisch-Selbststudium versucht und nach drei Monaten war ich eigentlich nirgendwo. Man merkt nicht mal selbst, wenn man falsch ausspricht oder Grammatikfehler macht – niemand korrigiert einen.
Andererseits sind Sprachkurse teuer und zeitlich schwer einzuplanen, gerade im Sommer wenn alles irgendwie chaotisch ist.
Ich frage mich also konkret:
- Habt ihr Französisch erfolgreich ohne Lehrer gelernt?
- Was waren die größten Stolpersteine?
- Ab welchem Niveau wird es ohne Begleitung wirklich schwierig?
Ich bin kein blutiger Anfänger in Sachen Sprachen – Englisch ist kein Problem, etwas Latein hatte ich in der Schule. Aber Französisch ist für mich komplett Neuland.
Freue mich auf eure Erfahrungen!
Also ich sag's direkt: Lehrer ist kein Muss, aber Disziplin schon. Hab selbst mehrere Sprachen ohne Kurs gelernt und kenn beide Seiten – ohne Struktur verläuft sich das Selbststudium schnell im Sand. Ich hab mich da früher schon mal ausführlich zu geäußert, wie gut Online-Lernen tatsächlich funktioniert, wenn man es richtig angeht.
Für Französisch konkret: Die Lautung ist am Anfang das härteste. Kein Buch der Welt ersetzt das erste Mal, wenn dich ein Franzose versteht oder eben nicht. Ich würd empfehlen, früh mit Sprachpartnern oder zumindest vertonten Übungen zu arbeiten – nicht erst wenn man sich 'sicher genug' fühlt, das kommt sonst nie.
Und ja, Sommer ist eigentlich ne gute Zeit zum Starten. Man hat eher Muße, plant vielleicht schon Reisen – Motivation ist da. Nur nicht den Fehler machen und denken, man schafft in zwei Monaten Urlaubsfranzösisch aus dem Nichts. Realistisch einschätzen.
Ja, es funktioniert – aber ich würde nicht sagen, dass es für jeden gleich gut klappt. Ich hab selbst vor einigen Jahren Englisch intensiv auf eigene Faust vertieft, das war damals noch gar nicht so einfach wie heute mit all den Online-Angeboten. Mit Französisch hab ich dann gemerkt: Der größte Unterschied zum begleiteten Lernen ist tatsächlich das Feedback. Du kannst jahrelang falsch Aussprache üben und es nie bemerken.
Für die Grundlagen finde ich Selbststudium aber absolut machbar. Grammatik, Vokabeln, einfache Sätze – das geht mit guten Materialien prima. Ich hab irgendwann angefangen, mir französische Radiosendungen anzuhören, einfach als Hintergrundgeräusch – das klingt albern, aber das Ohr gewöhnt sich langsam an den Klang.
Was mir persönlich geholfen hat: strukturiert vorgehen, nicht wild von App zu App springen. Ich hab im Simple Past vs Present Perfect-Thread schon mal erwähnt, dass ich sehr auf Regeln bestehe statt auf Intuition – bei Französisch war das Gold wert. Zeitgrammatik ist da nochmal komplizierter als im Englischen.
Also kurz: Grundlagen ja, aber irgendwann würde ich mir zumindest gelegentliche Korrektursessions mit einem Muttersprachler empfehlen, auch wenn es nur ein Sprachpartner ist.
Ich seh das ein bisschen anders als SprachGenuss67 – ich finde, man sollte von Anfang an auf Aussprache achten und nicht erst wenn man schon 'gefestigt' ist. Gerade bei Französisch schleichen sich sonst Fehler ein die man kaum noch loswird.
Ich lerne selbst gerade parallel mehrere Sprachen (bin da irgendwie reingerutscht, Niederländisch hab ich erst kürzlich angefangen) und was ich sagen kann: Französisch eignet sich tatsächlich gut fürs Selbststudium in der Anfangsphase, weil es so unglaublich viel Gratis-Material gibt. Podcasts, YouTube-Kanäle, Grammatikseiten – da ist für jeden was dabei.
Den Punkt mit dem Feedback teile ich allerdings. Ich hab mich daher early on in einem Tandem-Forum angemeldet und ab und zu mit jemandem geschrieben. Nicht gesprochen, nur geschrieben erstmal. Das hat geholfen Fehler sichtbar zu machen ohne den Druck eines Gesprächs.
Aussprache ist bei Französisch wirklich knifflig – ich hab mich intensiv mit den Akzentzeichen beschäftigt (da gibt's hier im Forum übrigens einen guten Thread dazu), weil die eben nicht nur Dekoration sind sondern wirklich die Aussprache beeinflussen. Ohne das zu verstehen lernt man quasi auf tönernen Füßen.
Kurz: Selbststudium ja, aber mit Plan und zumindest schriftlichem Feedback von Anfang an.