Benachrichtigungen
Alles löschen

Niederländisch als Dialektforscher lernen – gibt es Bezüge zum Niederdeutschen?

6 Beiträge
6 Benutzer
0 Reaktionen
40 Ansichten
Karl-Heinz M.
Beiträge: 21
Themenstarter
(@mundart_karl_1951)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten
[#36]

Guten Tag zusammen,

ich bin pensionierter Deutschlehrer und beschäftige mich seit Jahrzehnten mit regionalen Dialekten – hauptsächlich norddeutsche Mundarten wie Plattdeutsch, aber auch bayrische und alemannische Varianten. Diesen Sommer möchte ich endlich ernsthaft mit Niederländisch beginnen, und zwar nicht nur aus praktischen Gründen, sondern weil mich die sprachhistorischen Zusammenhänge brennend interessieren.

Meine Hypothese: Wer Plattdeutsch kennt oder zumindest ein Gefühl für niederdeutsche Sprachstrukturen hat, sollte beim Niederländisch lernen gewisse Vorteile haben – zumindest beim Wortschatz. Stimmt das tatsächlich in der Praxis, oder überschätze ich diesen Zusammenhang?

Darüber hinaus überlege ich, wie ich meine Neigung zu Sprachspielen und Vergleichen sinnvoll einsetzen kann. Ich erstelle ja auch für meine Enkelkinder kleine Wortspiele, in denen es darum geht, ähnlich klingende Wörter verschiedener Sprachen zu vergleichen. Vielleicht wäre das auch eine Methode, niederländische Vokabeln zu festigen?

Mich würde interessieren, welche Herangehensweise ihr empfehlt, wenn man sprachgeschichtlich vorgebildet ist, aber trotzdem noch absoluter Anfänger in der Fremdsprache selbst ist. Gibt es Lehrmaterialien oder Methoden, die diesem analytischen Zugang entgegenkommen? Ich lasse mich gerne von euren Erfahrungen leiten.

Mit freundlichen Grüßen,
Karl-Heinz M.


5 Antworten
Margit K.
Beiträge: 7
(@margit72)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Wochen

Hallo Karl-Heinz,

ich bin zwar eher beim Englisch- und Spanisch-Wiedereinsteigen als beim Niederländisch, aber Ihre Frage hat mich trotzdem angesprochen. Zu Sprachspielen kann ich nur sagen: Für mich persönlich funktionieren spielerische Methoden viel besser als trockene Grammatiktabellen, gerade wenn man nach langer Pause oder als Neueinsteiger arbeitet.

Den Aspekt mit den Ähnlichkeiten zwischen Sprachen kenne ich auch – manchmal denkt man, man erkent ein Wort, und dann bedeutet es doch was anderes. Das hat mich beim Englisch und Spanisch schon oft erwischt. Insofern ist Tobias' Hinweis auf die Fallen wirklich wichtig, glaube ich.

Ihre Idee, die Sprachspiele für die Enkelkinder auch auf Niederländisch auszudehnen, klingt wunderschön ehrlich gesagt. Das wäre doch eine Motivation, die einen wirklich am Ball hält!


Antwort
Werner K.
Beiträge: 4
(@wernerklausmann)
New Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Sehr interessante Frage, die mich als jemanden, der ebenfalls im Pensionsalter mehrere Sprachen vergleichend lernt, direkt anspricht!

Die sprachgeschichtliche Verwandtschaft zwischen Niederländisch und Niederdeutsch ist tatsächlich real und nicht nur gefühlt. Beide gehören zum westgermanischen Zweig und haben lange gemeinsame Entwicklungslinien. Ich habe das Vergleichen von Sprachstrukturen übrigens auch beim Norwegischlernen als sehr hilfreich erlebt – dort merkt man ähnliche germanische Gemeinsamkeiten.

Für jemanden mit Ihrem analytischen Zugang würde ich empfehlen, direkt mit authentischen historischen oder etymologischen Quellen zu arbeiten. Zum Beispiel gibt es niederländische Wörterbücher, die die Herkunft der Wörter angeben – das ist für Sprachvergleiche Gold wert. Außerdem könnte das Van Dale Groot Woordenboek interessant sein, nicht unbedingt als Lernbuch, aber als Nachschlagewerk für tiefere Einblicke.

Die Grammatikstruktur des Niederländischen ist dabei ehrlich gesagt einfacher als zum Beispiel Spanisch oder Italienisch – da haben wir als Deutschsprecher wirklich Vorteile. Die Kasusunterscheidung ist weitgehend weggefallen, was das Lernen gerade am Anfang sehr erleichtert.


Antwort
Tobias O.
Beiträge: 3
(@t-obermeyer)
New Member
Beigetreten: Vor 3 Wochen

Interessanter Gedanke mit den Dialektbezügen. Ich beschäftige mich zwar eher mit deutschen Binnendialekten wie Bairisch und Alemannisch als mit Plattdeutsch, aber der vergleichende Ansatz kommt mir sehr bekannt vor – ich lerne auch lieber durch Strukturvergleiche als durch stupfes Auswendiglernen.

Meine pragmatische Einschätzung: Der Vorteil durch Dialektkenntnisse ist beim Wortschatz deutlich spürbar, bei der Grammatik dagegen weniger. Das Niederländische hat zwar keine Fälle mehr, aber die Artikelsetzung de/het ist eine eigene Herausforderung, die man mit keinem deutschen Dialektwissen umgehen kann.

Für Ihren Sprachspielansatz finde ich die Idee gut, aber ich würde darauf achten, dass man sich nicht zu sehr auf Ähnlichkeiten verlässt. Es gibt nämlich genug Fälle, wo das vermeintlich bekannte Wort auf Niederländisch etwas ganz anderes bedeutet. Das kann man aber auch als Spielelement nutzen – sowas wie 'Falle suchen' statt 'Gemeinsamkeiten sammeln'.


Antwort
Petra K.
Beiträge: 24
(@petra92)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Hallo Karl-Heinz,

ein wirklich schöner Ansatz! Ich habe zwar keinen Hintergrund in Dialektforschung, aber beim Niederländischlernen ist mir selbst aufgefallen, wie viele Wörter sofort vertraut wirken – gerade wenn man norddeutsche Wurzeln hat. Ob das direkt mit Plattdeutsch zusammenhängt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber die Verwandtschaft ist spürbar.

Was Ihre Idee mit den Wortspielen angeht: Ich finde das tatsächlich eine unterschätzte Methode. Ich selbst versuche, Vokabeln durch kleine Kontextsätze zu verankern – ähnliches Prinzip. Beim Schreiben merke ich am deutlichsten, ob ich ein Wort wirklich verstanden habe oder nur wiedererkenne. Vielleicht könnten Sie Ihre Spielchen sogar zweisprachig gestalten, also Deutsch-Niederländisch, das würde den Kindern und Ihnen helfen.

Für analytisch denkende Lerner empfehle ich übrigens Grammatikwerke, die Strukturen wirklich erklären statt nur Regeln aufzulisten. "Niederländisch ohne Mühe" von Assimil ist ein guter Einstieg, aber für jemanden mit Ihrem Hintergrund könnte ein kontrastives Grammatikbuch interessanter sein. Da gibt es einiges im Fachbereich Germanistik, das Deutsch und Niederländisch gegenüberstellt.


Antwort
Seite 1 / 2