Hallo zusammen,
ich plane für diesen Sommer ein kleines Selbststudium-Projekt: Niederländisch auf ein Niveau bringen, mit dem ich mich im Urlaub einigermaßen verständigen kann. Die Niederlande stehen für August auf dem Plan.
Jetzt bin ich beim Lesen von ersten Texten auf etwas gestoßen, das mich ehrlich gesagt ziemlich verunsichert: Es gibt offenbar eine Menge Wörter, die auf Deutsch und Niederländisch ähnlich oder sogar gleich aussehen, aber komplett verschiedenes bedeuten. Also die klassischen "False Friends".
Zum Beispiel hab ich gelesen, dass "slim" auf Niederländisch nicht schlimm oder schlank bedeutet, sondern klug. Und "erg" bedeutet nicht etwa "Ärger" sondern "sehr". Das hat mich schon mal kalt erwischt als ich einen einfachen Text lesen wollte.
Gibt es da eine Art Überblick, welche False Friends besonders häufig vorkommen und am gefährlichsten sind? Also die, die man wirklich täglich oder in normalen Alltagssituationen falsch verstehen würde? Ich möchte nicht in einer Situation sein, wo ich etwas komplett falsch verstehe und mich blamiere.
Hat hier jemand eine Liste, eigene Erfahrungen oder gute Ressourcen dazu? Wäre super!
Danke, Bernd
Da muss ich Stefan ein bisschen widersprechen. Gerade am Anfang finde ich eine gezielte Liste schon sinnvoll, weil man sonst einfach gar nicht weiß wonach man Ausschau halten soll. Wenn du noch kein Gefühl für die Sprache hast, erkennst du einen False Friend im Kontext oft nicht als solchen – du glaubst es einfach verstanden zu haben und merkst den Fehler nie.
Ein konkreter Tipp: Das Buch "Niederländisch für Deutschsprachige" von Langenscheidt hat hinten so eine kleine Tabelle mit häufigen False Friends, die ist ganz brauchbar für den Einstieg. Nicht vollständig aber für Urlaubs-Niveau völlig ausreichend.
Und was mich beim Lernen am meisten überrascht hat: "vlees" bedeutet Fleisch, sieht aus wie "fließ" oder so was in die Richtung – aber einmal drüber gestolpert und man vergisst es nie mehr 😄
"winkel" als False Friend ist tatsächlich einer der lustigsten. Ich hab das mal einem Belgier erklärt warum ich bei dem Wort immer kurz stutze und der hat sich halb totgelacht.
Noch ein paar die ich hinzufügen würde:
- "molen" = Mühle (nicht Mole wie am Hafen)
- "fiets" = Fahrrad – okay, kein false friend, aber total unintuitiv für Deutsche
- "grap" = Witz, Scherz (nicht Grap im Sinne von grob greifen)
- "boos" = wütend (nicht böse im deutschen Sinne, obwohl nah dran)
- "heel" = sehr / ganz (klingt wie "Heel" auf Englisch, bedeutet aber was ganz anderes)
Boos ist meiner Meinung nach der häufigste Stolperstein weil man denkt man versteht es und liegt halb daneben. "Hij is boos" heißt er ist wütend, nicht unbedingt böse im moralischen Sinne.
Ich lern zwar eher andere Sprachen (bin grad mehr bei Türkisch und Italienisch unterwegs), aber False Friends sind in jeder Sprache das gleiche Problem. Das Gehirn greift automatisch auf das bekannte Muster zurück.
Für Niederländisch gibt es glaub ich auf der Seite van Dale (das niederländische Wörterbuch) ein paar Ressourcen, aber ehrlich gesagt würd ich einfach Anki nehmen und gezielt eine False-Friends-Deck anlegen. Gibt bestimmt schon fertige Decks auf AnkiWeb dafür, einfach mal suchen nach "Nederlands Duits false friends" oder so ähnlich.
Der Vorteil: Du lernst die Wörter durch Wiederholung, nicht durch einmaliges Lesen einer Liste die du dann eh vergisst.
Ich hab mich damals bei meiner Entscheidung für Niederländisch (hatte dazu auch hier im Forum überlegt welche Sprache nach Englisch Sinn macht) genau wegen solcher False Friends Sorgen gemacht. Aber ich würd das ehrlich gesagt nicht überbewerten.
Das Problem mit Listen ist: Man liest sie einmal durch, nickt und vergisst die Hälfte wieder. Was wirklich hilft ist, echte Texte zu lesen oder Podcasts zu hören und dann die Stellen zu markieren wo man gestutzt hat. Dann merkst du dir die Wörter deutlich besser weil du einen Kontext hast.
Für August hast du noch ordentlich Zeit. Ich würd empfehlen: Grundwortschatz aufbauen, und die False Friends kommen von selbst beim Lesen auf. Man muss die nicht separat pauken, die fallen einem auf – vorausgesetzt man ist kritisch genug und überprüft Wörter die einem bekannt vorkommen.