Hallo zusammen,
ich lerne jetzt seit ein paar Monaten Deutsch und merke, dass ich mit dem Vokabellernen irgendwie nicht so richtig vorankomme. Ich schreibe mir zwar Listen raus und lese die durch, aber nach ein paar Tagen ist die Hälfte schon wieder weg. Das frustriert mich ehrlich gesagt ziemlich.
Ich hab mal gehört, dass Karteikarten besser sein sollen als Listen, und dann gibt es ja auch diese Apps mit Spaced Repetition – aber ich weiß nicht, ob das wirklich was bringt oder ob das nur so ein Hype ist. Ein Bekannter hat mir gesagt, man soll Wörter immer im Satzkontext lernen und nicht einzeln. Stimmt das?
Jetzt im Sommer hab ich eigentlich etwas mehr Zeit, weil bei der Arbeit ein bisschen weniger los ist und ich keinen großen Urlaub plane dieses Jahr. Ich dachte, ich könnte die Zeit sinnvoll nutzen und endlich mal systematisch an meinem Wortschatz arbeiten.
Was sind eure Erfahrungen? Habt ihr Methoden gefunden, die wirklich langfristig funktionieren und nicht nur kurzfristig? Und wie viele neue Wörter pro Tag sind realistisch, ohne dass man sich übernimmt?
Viele Grüße,
Klausi
Hey Klausi, ich kenn das Gefühl total. Hab das bei Spanisch und Portugiesisch auch durch – Listen lernen klingt logisch, bringt aber echt wenig, weil dein Gehirn die Wörter nicht mit irgendetwas verknüpft.
Spaced Repetition ist kein Hype, das ist tatsächlich die Methode mit der stärksten wissenschaftlichen Grundlage. Ich nutze Anki und hab damit deutlich mehr behalten als mit allem anderen. Der Vorteil: Du lernst genau das, was du gerade am meisten brauchst, und nicht das, was du eh schon kannst.
Dein Bekannter hat auch recht mit dem Satzkontext – einzelne Wörter ohne Zusammenhang vergisst man schneller. Am besten kombinieren: Karteikarte mit dem Wort, aber immer einem Beispielsatz dazu. Und wenn du einen Satz selbst formulierst, bleibt er noch besser im Gedächtnis.
Zur Frage wie viele pro Tag: Ich würd sagen 10-15 neue Wörter ist realistisch für Anfänger. Mehr wird schnell chaotisch. Lieber weniger und dafür konsequent jeden Tag.
Der Sommer ist wirklich ne gute Gelegenheit – ich hab mal geschrieben, wie schwer es ist, dran zu bleiben wenn die Motivation kippt. Regelmäßigkeit ist das A und O.
Also ich lern lieber gamifiziert, also mit Apps die das ein bisschen spielerisch machen. Kein Witz, das hält mich motivierter als jede ernsthafte Lernmethode. Hab das bei Portugiesisch gemerkt – sobald's zur Pflicht wird, macht man's nicht mehr. Hat bei mir schon mal für nen Durchhänger gesorgt wenn ich zu verbissen war.
Klausi, mein Tipp für den Sommer: Schnapp dir ne App die du wirklich gerne öffnest, nicht eine die du öffnen musst. Der Rest kommt von selbst.
Ich hab mich da schon intensiver mit beschäftigt, auch weil ich bei Apps immer schaue, ob die wirklich was taugen oder nur gut vermarktet sind (hab dazu schon mal was geschrieben).
Bei Vokabeln würde ich sagen: Die Methode ist weniger entscheidend als die Konsequenz. Du kannst das beste System der Welt haben, aber wenn du nur 3 mal die Woche lernst, wirst du langsam Fortschritte machen. Täglich, auch wenn's nur 15 Minuten sind, schlägt alles andere.
Anki mit eigenem Kartensatz ist mein Favorit. Fertige Decks sind okay zum Starten, aber Karten selbst erstellen – dabei lernst du schon. Und Bilder statt Übersetzungen wenn möglich, also das deutsche Wort direkt mit einem Bild verknüpfen, nicht mit dem Wort in der Muttersprache. Das macht einen Unterschied.
Und zum Thema Sommer: Ich würd die freie Zeit nutzen um ne feste Lernroutine aufzubauen. Wenn das erstmal sitzt, läuft es auch wenn's wieder stressiger wird.
Ehrlich gesagt bin ich da skeptisch was so pauschale Empfehlungen angeht. Was für den einen funktioniert, klappt beim anderen gar nicht. Ich hab selbst gemerkt – grad am Anfang, wie ich beschrieben hab im Grammatik-Thread – dass man erstmal rausfinden muss, wie man selbst lernt.
Manche merken sich Wörter besser wenn sie sie hören, andere wenn sie lesen, andere wenn sie schreiben. Ich würd empfehlen: Probier 2-3 Methoden je zwei Wochen aus und schau was hängenbleibt. Nicht gleich alles gleichzeitig.
Spaced Repetition ist solide. Aber wenn dir das App-Tippen nervt, dann nutzt du es nicht – und dann ist eine Papier-Karteikarte die besser funktioniert tausendmal mehr wert.