Hallo zusammen!
Ich bin SprachReise43 und plane diesen Sommer endlich ernsthaft mit Portugiesisch anzufangen. Den Juni nutze ich als eine Art "Sprachprojekt", weil ich im August nach Lissabon fahre und zumindest ein bisschen mehr können möchte als nur "Obrigado" und "Bom dia".
Mein Problem: Ich hab vor ein paar Jahren mal einen Spanischkurs gemacht, der war aber nie richtig intensiv und liegt schon lange zurück. Jetzt lese ich überall, dass Portugiesisch und Spanisch sich ähneln, aber gleichzeitig warne manche Leute davor, dass die Ähnlichkeit einen in die Irre führen kann.
Konkret würde mich interessieren: Als jemand mit rudimentären Spanischkenntnissen, was sind die größten Fallen, in die man am Anfang tappt? Also nicht nur dass die Sprachen ähnlich klingen, sondern wo sich die Grammatik oder die Bedeutung von Wörtern wirklich unterscheidet. Gibt es Wörter, die gleich aussehen aber ganz was anderes bedeuten? Und sollte ich aktiv versuchen, mein Spanisch einzubeziehen oder lieber so tun als wäre es eine komplett neue Sprache?
Freue mich über alle Erfahrungen – besonders von Leuten die ähnlich gestartet sind. Der Urlaub im August ist jedenfalls meine Motivation, bis dahin will ich zumindest Grundkonversation hinkriegen.
Ich seh das ein bisschen anders als Lisa – also nicht komplett, aber ein wenig. Die Ähnlichkeit kann wirklich tückisch sein, gerade bei der Aussprache. Auf Spanisch sprichst du fast alles aus wie es geschrieben ist. Auf Portugiesisch (vor allem europäisches, also Lissabon) nicht. Das e am Wortende wird oft fast gar nicht gesprochen, Vokale werden reduziert, und wer dann einfach "Spanisch mit portugiesischen Vokabeln" spricht wird kaum verstanden.
Ein konkretes Beispiel das mir aufgefallen ist: "polvo" bedeutet auf Spanisch "Staub" (oder auch Krake in manchen Regionen), auf Portugiesisch ist es eindeutig "Krake" und steht auf jeder Speisekarte in Lissabon. Wenn du also im Restaurant bestellen willst, lieber kurz nachschauen was draufsteht 😄
Für deinen August-Urlaub würd ich sagen: Konzentrier dich auf Standardphrasen und Aussprache, nicht zu viel auf Grammatik am Anfang. Mit 6-8 Wochen kannst du solide Grundlagen kriegen wenn du täglich machst.
Oh, das kenne ich gut! Ich hab damals auch mit dem Gedanken gespielt, ob meine kleinen Romanischkenntnisse helfen oder schaden. Das Stichwort, das du suchst, sind "falsche Freunde" – also Wörter die gleich aussehen aber andere Bedeutung haben. Klassiker: "borracha" bedeutet auf Portugiesisch "betrunkene Frau" ODER "Gummi", auf Spanisch ist borracho/a einfach nur "betrunken". Klingt lustig, kann aber peinlich sein.
Was ich nach meinen eigenen Lernkurven sagen würde (ich hab auch schon einen Thread über Grammatik vs. Drauflosreden mitgemacht): Schau dir konkret die Aussprache an, die ist der größte Unterschied. Portugiesisch klingt für viele viel "geschlossener" und weniger melodisch als Spanisch. Die Vokale werden oft verschluckt. Da hilft kein Spanisch-Vorwissen, eher schadet es sogar ein bisschen, weil man automatisch spanisch ausspricht.
Als jemand der viel mit Sprachlernenden arbeitet, kann ich ein paar strukturierte Punkte beisteuern:
1. **Spanisch-Transfer nutzen, aber bewusst steuern**: Grammatikstrukturen wie Verb-Konjugation, Genus der Substantive, Satzstellung – da hilft Spanisch wirklich. Aber nie blind übertragen, immer kurz prüfen.
2. **Aussprache von Anfang an korrekt lernen**: Das ist der Knackpunkt. Europäisches Portugiesisch hat nasalierte Vokale und reduzierte Endsilben, die im Spanischen nicht vorkommen. Wer das ignoriert, entwickelt eine schwer korrigierbare Aussprache.
3. **Falsche Freunde gezielt lernen**: Es gibt gute Listen online. Die wichtigsten 20-30 reichen am Anfang völlig.
Zum Zeitrahmen: Bis August sind das ca. 8 Wochen. Realistisch erreichbar: einfache Alltagsgespräche, Bestellungen, Wegbeschreibungen verstehen, höfliche Interaktionen. Das ist machbar, wenn man täglich 30-45 Minuten investiert. Ich hab in diesem Thread über App-Lernen auch schon erklärt, warum strukturiertes Lernen gegenüber reiner App-Nutzung Vorteile hat – gilt hier genauso.
Ich lern grad selbst noch Englisch also bin kein Experte bei romanischen Sprachen, aber ich find den Punkt mit den falschen Freunden total spannend. Kenn das aus dem Englischen auch – da denkt man auch öfter mal man versteht was, und dann bedeutet es doch was anderes. Ich denk das ist bei verwandten Sprachen generell ne Gefahr. Viel Erfolg für deinen Lissabon-Urlaub jedenfalls!