Mich interessiert die ehrliche Antwort, nicht die Marketing-Versprechung: Wie lange braucht man wirklich für einen funktionsfähigen Grundwortschatz auf Portugiesisch?
Ich sehe überall "1000 Wörter reichen für 80% von Alltagstexten" oder "3 Monate intensive App-Nutzung bringt dich ins Gespräch" – aber ich finde dazu kaum wissenschaftliche Studien, die diese Zahlen wirklich belegen. Beim Englisch haben mir diese Versprechen nicht gehalten; ich bin skeptisch, ob das bei Portugiesisch anders ist.
Ein paar konkrete Fragen: Wie viele unterschiedliche Wörter braucht man wirklich, um einfache Alltagskommunikation zu verstehen? Macht es einen Unterschied, ob ich Brasilianisch oder europäisches Portugiesisch anstrebe – auch bei der Wortschatz-Größe? Und: Zählt ihr bei der "Wortschatz-Bilanz" wirklich nur aktive Wörter, oder auch passive?
Erfahrungsberichte willkommen – aber bitte ehrlich, auch wenn es länger dauert als versprochen.
Hey Rainer,
passende Frage. Ich lerne ja nebenbei Portugiesisch während meines Niederländisch-Kurses in Amsterdam, und meine Erfahrung mit meinen Sprachaustausch-Partnern aus Lissabon ist: Die 1000-Wörter-These stimmt ungefähr, aber mit dicken Einschränkungen. Für "Ich verstehe den Kassierer" reichen weniger. Für echte Konversation – Witze, Meinungen teilen, über deine Welt sprechen – brauchst du schnell 2500+.
Der größere Punkt: Portugiesisch hat eine hohe Wortformenvarianz (ser/estou/está/são...), und das können diese "Wort-Listen" nicht gut abbilden. Wenn du eine Konjugation nicht erkennst, hilft dir die Vokabel nichts.
Zum Brasilianisch vs. Europäisch: Europäisches ist kniffliger in der Aussprache, das stimmt. Aber der Kernwortschatz unterscheidet sich weniger als viele denken – eher Vokabel-Details (Ónibus vs. Autocarro). Für deinen Grundwortschatz würde ich da keine 500 Wörter Unterschied rechnen.
Meine Vermutung: 6–8 Wochen strukturiertes Lernen (nicht nur App-Zocken) für echte erste Gespräche, nicht für sichere Konversation.