Moin zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiv mit der Frage, wie ich Polnisch möglichst effizient aufbauen kann – und ich meine das wirklich datengetrieben, nicht nach Bauchgefühl.
Als Hintergrund: Ich nutze seit Jahren Anki mit angepassten SM-2-Parametern und hab die Retention-Rates verschiedener Deck-Konfigurationen verglichen. Für Spanisch hat mir das enorm geholfen. Polnisch ist aber offensichtlich eine andere Hausnummer.
Meine konkrete Frage ist weniger 'ist Polnisch schwer' (das weiß ich inzwischen), sondern: Wie viele Minuten oder Stunden täglich müsste ich realistisch einplanen, um nach 6 Monaten Grundkommunikation zu schaffen? Ich rede von so A2 bis vielleicht B1-Einstieg.
Was mich besonders interessiert:
- Wo entstehen die meisten Zeitfresser im Vergleich zu romanischen Sprachen? Vermutlich Kasussystem + Aussprache?
- Gibt es sinnvolle Benchmarks, z.B. Wörter pro Tag, die bei Polnisch besser funktionieren als bei anderen Sprachen?
- Lohnt es sich, den Anki-Algorithmus für Polnisch anders zu konfigurieren (kürzere Intervalle am Anfang wegen der ungewohnten Phonologie)?
Ich starte gerade neu in dieses Thema, es ist Sommer und ich hab theoretisch etwas mehr Zeit als sonst – aber ich will das nicht verplempern. Würde mich über ehrliche Einschätzungen freuen, auch wenn die ernüchternd sind.
Ich bin eigentlich eher im Spanisch- und Französisch-Bereich unterwegs, also nimm das mit Vorsicht. Aber zu deiner Frage mit den Minuten pro Tag: Ich lerne abends nach der Arbeit, meistens so 30-45 Minuten, und ich merke ehrlich gesagt dass das für Spanisch gerade noch so reicht um Fortschritte zu sehen. Für Polnisch würde ich vermuten dass das zu wenig wäre, gerade am Anfang.
Was ich aus dem Grammatikbuch-Thread mitgenommen hab: Ohne solide Grundlage in der Grammatik bringt auch die beste App wenig. Vielleicht hilft dir das bei der Zeitplanung – Grammatik braucht einfach aktive Lernzeit, das lässt sich nicht komplett in Spaced-Repetition-Karten packen.
Ich lern selbst Englisch intensiv für meinen Umzug nach Kanada, also eine komplett andere Situation – aber Zeitmanagement beim Sprachenlernen beschäftigt mich grade auch.
Ein Tipp den ich aufgeschnappt hab: tägliche Konsistenz schlägt einzelne Lernmarathons. Klingt banal, aber gerade wenn man 'mehr Zeit im Sommer' hat neigt man dazu, unregelmäßig zu lernen. Ich hab festgestellt dass 45 Minuten täglich mehr bringt als 4 Stunden am Wochenende.
Ob das für Polnisch reicht weiß ich nicht, dafür bin ich zu weit weg vom Thema. Aber den Rhythmus festzulegen bevor man anfängt – das würde ich auf jeden Fall empfehlen.
Ich muss mal kurz eine andere Perspektive einwerfen, auch wenn das vielleicht nicht das ist was du hören willst.
Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit Sprachen, hauptsächlich durch Filme und Serien, und ich hab dabei gelernt: Algorithmen und Benchmarks sagen dir relativ wenig darüber, wie schnell DU persönlich lernst. Ich hab Leute gesehen die mit 20 Minuten Duolingo täglich nach einem Jahr kaum was konnten, und andere die ohne App nach 4 Monaten einfache Gespräche geführt haben – einfach weil sie die Sprache wirklich gehört haben.
Für die Vokabel-Seite gilt übrigens: Ich hab in einem anderen Thread mal geschrieben dass man für einfache Gespräche wirklich nicht so viele Wörter braucht wie man denkt. Bei Polnisch ist das aber komplizierter weil die Kasusendungen dazu kommen – dasselbe Wort sieht plötzlich ganz anders aus und dein Gehirn erkennt es nicht mehr.
Mein Rat: Setz dir lieber ein konkretes Kommunikationsziel als einen Level-Benchmark. 'Ich will mich im Urlaub in Polen zurechtfinden' ist ein ganz anderer Lernpfad als 'Ich will A2 erreichen'.