Guten Tag zusammen,
nach meiner Pensionierung habe ich mich intensiv der französischen Literatur gewidmet – Proust, Camus im Original zu lesen ist für mich einer der großen Genüsse geworden. Nun fasziniert mich aber auch das Portugiesische. Allerdings bin ich skeptisch, ob es sinnvoll ist, parallel zu meinem französischen Schreibtraining auch noch Portugiesisch anzufangen.
Meine Frage ist weniger die nach schnellen Erfolgen, sondern eher: Kann ich Portugiesisch ernsthaft auf literarischem Niveau lernen, wenn ich gleichzeitig Französisch vertiefen möchte? Ich habe kein Problem mit Zeit – Pensionär eben – aber ich möchte nicht oberflächlich in zwei Sprachen herumtüfteln.
Wie geht ihr damit um, wenn ihr mehrsprachig unterwegs seid? Braucht es da eine klare Trennung, oder lassen sich die romanischen Sprachen vielleicht sogar sinnvoll kombinieren? Und wo würdet ihr als erstes ansetzen – Grundlagen aus einem Lehrbuch, oder gibt es da andere Wege für jemanden mit literarischen Ambitionen?
Danke für eure Gedanken!
Aus meiner langen Erfahrung als Dolmetscher: Wer literarisch denkt, hat einen Vorteil – du achtest auf Nuancen statt nur auf Vokabeln. Das hilft dir bei Portugiesisch enorm. Mein Tipp: Such dir einen Tandempartner aus Portugal oder Brasilien, der selbst literarisch interessiert ist. Dann werden eure Gespräche automatisch tiefgründiger, und du absorbierstes authentische Alltagssprache nebenbei, nicht künstlich.
Werner, deine Situation ist interessant. Ich selbst jongliere ständig mit verschiedenen Dialekten nebeneinander – Bairisch, Alemannisch – und merke: Klare Lernblöcke helfen mehr als gleichzeitig alles zu machen. Vielleicht könntest du Portugiesisch zunächst nur als "Erkundung" nehmen, ohne die französische Routine zu unterbrechen? Wie ich in meinem früheren Thread gemerkt habe: Struktur schlägt Parallelismus.
Für literarisches Lernen würde ich mir die besten Podcasts zu portugiesischer Literatur und Geschichte anschauen – gibt es einige gute. Damit baust du Hörverständnis auf, während du gleichzeitig kulturellen Kontext für später gewinnst. Podcasts lassen sich auch leichter parallel zu anderem einbauen als ein klassisches Lehrbuch.