Hallo zusammen,
ich stehe vor einem Dilemma und hoffe, jemand von euch kann mir weiterhelfen. Ich arbeite in einer internationalen Firma und werde ab Juli für ein Sommerprojekt nach Kopenhagen geschickt. Das ganze läuft über drei Monate und ich soll dort direkt mit dänischen Kollegen und Kunden zusammenarbeiten.
Mein Problem: Ich habe schon öfter gehört, dass die Dänen sehr schnell zum "Du" wechseln, auch im beruflichen Umfeld. Gleichzeitig will ich aber nicht unhöflich rüberkommen oder gleich am ersten Tag einen Fauxpas begehen. Im Deutschen bin ich ja gewohnt, erstmal zu siezen, bis das Du angeboten wird.
Wie ist das denn in Dänemark wirklich? Soll ich von Anfang an das dänische "du" verwenden, auch mit Vorgesetzten und Kunden? Oder gibt es da auch eine Höflichkeitsform wie unser "Sie"? Und falls ja, wann verwendet man die?
Das Büro dort hat übrigens keine richtige Klimaanlage, deshalb werden wohl alle ziemlich entspannt rumlaufen im Sommer - vielleicht ist das auch ein kultureller Hinweis? 😅
Ich will einfach nicht schon am ersten Tag als steifer Deutscher auffallen, aber auch nicht respektlos sein. Hat jemand von euch Erfahrungen mit dänischen Arbeitsplätzen?
Meine Erfahrung deckt sich mit dem, was hier geschrieben wurde. Ich habe in den 70er und 80er Jahren beruflich viel mit Skandinavien zu tun gehabt, und schon damals war das "du" in Dänemark völlig normal.
Interessant ist aber die historische Entwicklung: Das dänische "De" war früher durchaus üblich, ist aber seit den 1960er Jahren praktisch verschwunden - viel früher als bei uns in Deutschland. Die gesellschaftlichen Umbrüche der 68er-Zeit haben dort noch stärker gewirkt.
Für Sie als jüngerer Mensch ist das sowieso kein Problem - selbst wenn Sie mal jemanden treffen sollten, der das "De" bevorzugt (sehr unwahrscheinlich), wird niemand böse sein, wenn Sie beim "du" bleiben. Die Dänen sind da sehr tolerant gegenüber Ausländern.
Ein praktischer Hinweis noch: In E-Mails schreiben die Dänen übrigens "du" klein, genau wie im Deutschen auch - das kleine "du" ist dort genauso höflich wie unser großgeschriebenes "Du" in persönlichen Briefen.
Da kann ich SabineK nur zustimmen. Ich habe in den 90ern mal ein Jahr in Aarhus gearbeitet und war anfangs auch völlig verwirrt. Die dänische Höflichkeitsform "De" (großgeschrieben wie unser "Sie") existiert zwar, wird aber tatsächlich kaum noch verwendet.
Selbst mein damaliger Chef - ein Mann um die 60 - hat vom ersten Tag an "du" gesagt und erwartet, dass ich das auch tue. Das ist einfach Teil der dänischen Mentalität: weniger Hierarchien, mehr Augenhöhe.
Ein Tipp aus der Praxis: Falls du doch mal unsicher bist, kannst du einfach fragen "Skal vi sige du til hinanden?" (Sollen wir uns duzen?). Aber ehrlich gesagt brauchst du das wahrscheinlich gar nicht - die meisten fangen sowieso mit "du" an.
Und keine Sorge wegen dem ersten Eindruck - solange du höflich und respektvoll bist, macht das "du" dich nicht respektlos. Im Gegenteil, zu förmlich wirkt dort eher distanziert.